Elektrisiermaschine nach LeRoy


Aktuelle Beiträge zum Lichtenbergjahr 2017 in Göttingen

Experimentalvorträge von J. Send im Rahmen der Ausstellung Lichtenberg reloaded! im Alten Rathaus am 18. Juni um 11 Uhr und am 1. Juli um 12 Uhr: Informationsbroschüre mit Terminen.
»Lichtenbergs Spuren – Experimente und Geschichten zu Plus und Minus«

Öffentlicher Vortrag W. Send auf der 40. Jahrestagung der Lichtenberg-Gesellschaft am 2. Juli um 11:15.
»Leonardo - Lichtenberg - Lilienthal. Über die Frühgeschichte der Fliegerei« Programm.

Der Nachbau von Johanna Send 2015


Die Elektrisiermaschine nach LeRoy wurde von dem Göttinger Physikprofessor Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799) in seinen Vorlesungen zur Elektrizitätslehre verwendet. Das Original steht in der Sammlung "Physicalisches Cabinet" der Universität Göttingen und stammt vermutlich von 1772.

Lichtenberg hat die Vorgänge bei der Entstehung von elektrischen Ladungen genau aufgeklärt und gilt als der Schöpfer der Begriffe positive und negative Ladungen. Die Bezeichnungen gehen zurück auf die Erscheinungen beim Bestäuben der Spuren elektrischer Ladung zum Beispiel mit Schwefelpulver. Die moderne Xerographie, das so genannte Fotokopieren, beruht auf diesem Effekt.

1992 wurden die Geräte in den Beschreibungen Lichtenbergs zu seinen Experimenten von Johanna Send für eine Ausstellung in Göttingen anlässlich seines 250. Geburtstags nachgebaut und in einer Serie von Experimentalvorträgen vorgeführt, die danach bis heute mehrfach wiederholt wurden. Der Anlass für den aufwändigen Nachbau der Maschine für das Jahr 2015 war die Planung einer Ausstellung mit dem Namen Lichtenberg Reloaded!, die Lichtenbergs literarisches Schaffen in seinen Sudelbüchern verknüpft mit Grafiken und und Karrikaturen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler im Deutschen Museum für Karrikatur & Zeichenkunst in Hannover.

Die Ausstellung

Die Ausstellung wurde am Abend des 7. März 2015 vor geladenen Gästen eröffnet und die Maschine war dort bis zum 25. Mai 2015 als repräsentatives Exponat zu sehen. Absicht des Kurators der Ausstellung W. P. Fahrenberg war es, das wissenschaftliche Wirken Lichtenbergs exemplarisch zu verbinden mit den ausgestellten grafischen Interpretationen seiner Aphorismen. Zur Eröffnung gab W.P. Fahrenberg eine höchst vergnügliche und lehrreiche Einführung zu Lichtenberg und seinen Nachwirkungen. Auf diese Verknüpfung sei nicht ohne Eigennutz hingewiesen. Zeigt sie doch in einem Bild ganz am Ende den Kurator, der staunend Hand anlegt an das Exponat mit Ladung, deren sichtbare Auswirkungen Papierstreifen sich pfauengleich in voller Pracht entfalten lassen.   

Die Ausstellung wird sich nach unserer Kenntnis anschließend auf Reisen begeben. Als nächste Ausstellungsorte sind Marburg und Jena geplant. Der Vortrag zu den Lichtenbergschen Figuren wird aber auch außerhalb der Ausstellung von uns angeboten zu den gleichen Konditionen, die für die Vorträge zur Physik des Fliegens gelten.

Die Maschine

      
   

Die Maschine ist aus Messing und Acryl gefertigt und verwendet Kirschholz. Dreht man an der Kurbel, so wird an den mit Fell belegten Platten durch Reibung Ladung erzeugt, die transportiert und an den Ringen abgenommen wird. Die Kugel sammelt die Ladung auf. Nach einigen Umdrehungen zeigt ein auf der Kugel aufgestecktes Büschel von Streifen aus Seidenpapier die abstoßende Wirkung der untereinander gleich geladenen Papierstreifen. Anmerkung: Die weiteren Gerätschaften auf dem Bild zu dem Link gehören zum Vortrag und wurden nur für den Presserundgang aufgebaut. 
 Der Stern in der Mitte der voran stehenden Bildreihe hat einen Durchmesser von rund 10 cm und stellt die typische positive Lichtenbergsche Figur dar. Die Initialen JS sind mit negativer Ladung geschrieben worden. Der Schriftzug ist eine Kette von unscheinbaren kleinen Kügelchen aus Schwefel.
Nicht Alles hat Johanna Send selbst gebaut. Die Holzarbeiten sind von Christian Baur in Groß-Schneen bei Göttingen angefertigt worden.
W. Send.

Zur Geschichte. Die zunehmende Beherrschung der Erzeugung elektrischer Ladungen führte im 18. Jahrhundert zur Entwicklung und weiten Verbreitung von kleinen und großen Maschinen ganz unterschiedlicher Bauart. Die Vorführungen hatten unterhaltsamen Charakter und in vielen Familien zählte eine elektrische Maschine zum Bestand als Spielzeug. Von einem ausgeprägten Spieltrieb in ganz Europa wird berichtet.
Die Monographie Die Elektrisiermaschinen im 18. Jahrhundert von Heiko Weber (VWB - Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 2011)  gibt darüber Auskunft. In dem Werk wird auch die Arbeitsweise der Maschine von Le Roy (ausgesprochen wie fr. roi [roá]) mit einer Zeichnung beschrieben und auf die Originalliteratur verwiesen. Der dort gezeigten Ausführung mangelt es allerdings an Eleganz und Proportionen. Unbekannt ist uns der Erbauer der Maschine von Lichtenberg. Die Herstellung seiner Maschinen und Geräte bezahlte Lichtenberg aus seinen eigenen Einnahmen als Hochschullehrer. Die Maschinen haben teilweise ein Jahresgehalt und mehr gekostet (Quelle: G. Beuermann, Prof. em. des I. Physikalischen Instituts der Universität Göttingen).