Johanna Send und Dr. Wolfgang Send
GbR

Projekt Hubflügelkraftwerk

Ziel des Projektes

Ziel des Projektes ist die Gewinnung von Energie aus der Strömung von fließenden Gewässern und Flüssen an Stellen, wo Gesichtspunkte des natürlichen Erhalts von Gewässern oder geologische Gründe gegen Staustufen und Talsperren sprechen.
Ausgenutzt wird ein aus dem Flugzeugbau bekannter Mechanismus, bei dem die gekoppelte Schlag- und Drehbewegung einer Tragfläche unter bestimmten Bedingungen dem umgebenden Luftstrom Leistung entzieht. Dieses technisch bedeutsame und gefährliche Flattern ist in der Luftfahrt ein unerwünschter Effekt. Die 1000-mal höhere Dichte von Wasser verstärkt die entnommene Leistung des Effektes, wird aber zugleich gemindert durch die viel niedrigeren Strömungsgeschwindigkeiten.
Die geometrische Anordnung einer quer im Flussbett liegenden Tragfläche kommt den natürlichen Gegebenheiten sehr entgegen. Das Hubflügelkraftwerk kann deshalb auch in größeren Einheiten gebaut werden. Anders als bei der herkömmlichen Gewinnung von Energie aus der Strömung mit langsam laufenden Schaufelrädern oder ähnlichen Flächen, die der Strömungswiderstand antreibt, nutzt der Hubflügel die hydrodynamische Querkraft aus, die bei Flugzeugen als Auftriebskraft bekannt ist und die einen deutlich höheren Wirkungsgrad liefert (dazu der Literaturhinweis am Ende der Seite). Die gleichzeitige Hubbewegung quer zur Strömung liefert als Produkt Kraft x Geschwindigkeit die mechanische Leistung. Für eine optimale Ausbeutung der in der Strömung enthaltenen kinetischen Energie sind zwei Voraussetzungen zu erfüllen:

Insbesondere der letzte Punkt unterscheidet unser mechanisches Konzept wesentlich von den weltweit wenigen Versuchen, bei denen bislang im Labormaßstab die Ausbeute mit dem Flattereffekt untersucht worden ist.
Unsere Versuche im Labormaßstab haben gezeigt, dass die theoretischen Ergebnisse in vollem Umfang bestätigt wurden, die von der besonderen, partiell linear genannten, Kinematik erwartet wurden. Auf diese konstruktive Neuerung bezieht sich unser angemeldetes Patent. Wir haben zudem Hinweise gefunden, dass sich durch dynamische Effekte bei Tragflügeln im hohen Anstellwinkelbereich offenbar ein zusätzlicher Leistungsgewinn einstellt.
Nach unserer Einschätzung zeichnet sich damit eine Perspektive ab, durch die Ausbeutung der bislang ungenutzten Strömungsenergie der Flüsse einen signifikanten Beitrag  zur regenerativen Energiegewinnung zu leisten.

Zur Abbildung: Die Abbildung zeigt das Modell des Hubflügelgenerators, mit dem wir unsere Experimente im Labormaßstab gemacht haben. Die Tragfläche hat die Abmessungen 0.04 x 0.2 m². Das stabil ausgelegte Oberteil ist auch noch für größere Tragflächen bis ca. 0.5 m Spannweite geeignet. Unser Wasserkanal hat einen Querschnitt von 0.12 x 0.2 m² und ist für eine Fließgeschwindigkeit von 2 m/s berechnet. Die Pumpe kann bis zu 3 m³/min fördern.


Wirtschaftliche Bewertung

Während Windkraftanlagen seit 1926 einen zunächst langsamen, dann in jüngster Zeit einen rasanten und noch vor 15 Jahren unvorstellbaren Aufstieg genommen haben, ist man bei der Hubflügeltechnik gerade zu Beginn der technischen Nutzung. Wir möchten uns gegenwärtig der Vorhersage enthalten, ob sich unser Konzept des Hubflügelgenerators wirtschaftlich durchsetzen wird und in welchem Umfang dies geschehen könnte – auch wenn dieser Erfolg unser Ziel ist. Im Rahmen unseres Projektes haben wir diesen Aspekt noch nicht weiter untersucht. Der Rückblick auf die Entwicklung der Windenergie zeigt jedoch, dass die einst als unwirtschaftlich abgedrängte Energieform sich zu einem blühenden Wirtschaftszweig entwickelt und neue Ideen in der konstruktiven Auslegung hervorgebracht hat, die noch zu Zeiten des umstrittenen GROWIAN Projektes (1977-1986) als abwegig galten.  Diese Entwicklung ist möglich gewesen, weil in verschiedenen Ländern die politischen Randbedingungen für diesen Erfolg bewusst gesetzt worden sind und ihn nach Kräften gefördert haben.


Weitere Informationen


Physikalische Hinweise

 
Albert Betz, Wind-Energie und ihre Ausnutzung durch Windmühlen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1926 – Unveränderter Nachdruck durch ökobuch Verlag 1982, 1994 ISBN 3-922964-11-7 (Dipl.-Ing. Dr. Albert Betz war der langjährige Leiter der Aerodynamischen Versuchsanstalt zu Göttingen).

In diesem Buch finden sich fundamentale Einsichten:

  • Bei gegebener Querschnittsfläche einer Energieanlage kann man theoretisch maximal 16/27 (59.3 %) der in diesem Querschnitt zuströmenden kinetischen Energie entnehmen. Diese Feststellung wird auch als Betzsches Gesetz bezeichnet.
  • Bei einer Energieanlage können prinzipiell zwei Arten von Kräften genutzt werden:

  • Letzte Bearbeitung 16.06.04