Bau eines kleinen Windkanals
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Das Wirbelsystem bei
Auftrieb
und Abtrieb
Ein einfaches
Schulexperiment
Der nachfolgend beschriebene Windkanal ANIPROP
KWK1 (aus dem Jahre 2004) ist von uns inzwischen weiterentwickelt
worden. Es gibt seit 2007die kommerzielle Version ANIPROP
KWK2, die für Schulen und Praktika gedacht ist. Das
nebenstehende Bild zeigt die Ausführung des neuen Kanals.
Die nachfolgend beschriebenen Experimente zur Wirbelbildung lassen sich
natürlich auch mit dem neuen Kanal durchführen. Die
Geschwindigkeit des Kanals geht bis 15 m/s. Ergebnisse finden
sich in der kurzen Arbeit, die auf der Jahrestagung 2007
der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Regensburg vorgelegt
worden ist.Das untere
Bild zeigt den Windkanal ANIPROP KWK1, der mit
handelsüblichen
Teilen hergestellt worden ist. Als Antrieb dienen Computerlüfter.
Erzielt werden mit dem Kanal bis zu 6 m/s Windgeschwindigkeit, wenn
man die Computerlüfter vorübergehend überstrapaziert.
Das
halten sie offenbar gut aus. Ansonsten ist man auf 5 m/s
beschränkt.
Das Sichtbarmachen der Randwirbel bei Auftrieb und Abtrieb ist ein
überaus
wichtiger Punkt in der Unterrichtung der Physik des Fliegens, weil die
Folgen der Druckverhältnisse auf Ober- und Unterseite eines
dreidimensionalen
Tragflügels auf anschauliche Weise demonstriert werden können
(siehe dazu auch die Arbeit des Autors W. Send Auftrieb
und Wirbeldichte beim Fliegen). Die Randwirbel selbst ergeben sich
aus dem Druckausgleich zwischen Ober- und Unterseite der
Tragfläche
an den beiden Seitenrändern (beim Flugzeug: Flügelspitzen).
Vor dem Austritt des Kanals befindet sich
die Arbeitsbühne. Im Handel befindliche Schulkanäle
können
eventuell auch verwendet werden. Allerdings haben diese Kanäle
nach
unseren Erfahrungen eine schlechte Strömungsqualität der
austretenden
Luft (Gradmesser dafür ist der so genannte Turbulenzgrad). Dieser
beträgt beim KWK1 in der Mitte der Arbeitsbühne etwas unter 1
%. Manchmal wird dieses wichtige Qualitätsmerkmal von den
Herstellern
gar nicht erst angegeben.

Hauptabmessungen:
Der Querschnitt
des austretenden Strahls ist 0.18 m Breite x 0.12 m Höhe. Die
Eintrittsfläche
der Luft besteht aus 6 Computerlüftern von je 12 x 12 cm²
Grundfläche,
also 0.36 m Breite x 0.24 m Höhe. Die Kanaltiefe vom Eintritt zum
Austritt ist 0.5 m (ohne 2 cm Antriebsebene aus den
Computerlüftern.
An einem Gestell zur Veränderung des Anstellwinkels ist eine
symmetrische
Tragfläche aufgehängt. Die in den nachfolgenden Bildern
verwendeten
Änderungen des Anstellwinkels betragen etwa +/- 12 Grad. Der
Versuch
gelingt auch mit einer gewölbten Tragfläche, da auch diese
noch
einen gewissen Abtrieb ergibt.
Als Streupartikel in der Strömung
sind Wasserdampfpartikel verwendet worden. Der Dampf stammt von einer
handelsüblichen
kleinen Espresso-Maschine (aus dem Ausgang für das
Aufschäumen
von Milch). Alle anderen Rauchmittel halten wir in einem Klassenraum
für
problematisch. Allerdings wird dadurch die Bildqualität gemindert.
Mit einem Silikonschlauch von etwa 6 mm Innendurchmesser wird der Dampf
in ein dünneres, etwa 0.3 m langes Messingrohr von 6 mm
Außendurchmesser
geleitet, das an einem Ende vier kleine Bohrungen im vertikalen Abstand
von 20 mm enthält, die jeweils 1 mm Durchmesser haben (mit der
besten
Lage der Bohrungen experimentieren noch). Das Ende des Rohrs mit den
Bohrungen
wird hinter der Gleichrichtung (siehe unten) in den Kanal gesteckt. Die
Beleuchtung erfolgt von der Seite mit einem Diaprojektor. Das Diabild
ist
eine dünne Aluminiumfolie, die in der Mitte einen vertikalen
Schlitz
von etwa 0.5 mm Breite hat. Auf diese Weise erhält man eine
Lichtschnittebene
hinter der Hinterkante der Tragfläche. Die Beobachtung erfolgt am
besten von der Richtung, aus der auch die nebenstehende Aufnahme
gemacht
worden ist. Die Lichtstreuung der Partikel ist am größten
schräg
nach vorn zum Beobachter, der in Richtung der Lichtquelle schaut. Die
folgenden
drei Bilder zeigen das Wirbelbild bei Auftrieb und Abtrieb und die
Anordnung
der Tragfläche. Die Kamera hat dabei ihre Position nicht
geändert.
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| Auftrieb - die Wirbel drehen nach innen | Abtrieb - die Wirbel drehen nach außen | Hinterkante des
Tragflügels <- Linke - rechte Seitekante -> |
Die beiden Bilder sind einem Videofilm entnommen, der mit einem Digitalcamcorder aufgenommen worden ist. Die Einfärbung ist nachträglich erfolgt. Die beiden nachfolgenden Kurzfilme zeigen den Umschlag der Wirbel, wenn man den Tragflügel von positivem zu negativem Anstellwinkel verdreht, und die zugehörige geometrische Position der Hinterkante.
Das Einrollen der Strömung, also die Bildung der Wirbel, ist Folge der unterschiedlichen Drücke auf Ober- und Unterseite. So wie ein Körper dem Schwerefeld folgt (Kraftgesetz des freien Falls), folgen die Partikel stets der Richtung des geringsten Drucks. Beim Auftriebsfall herrscht auf der Oberseite ein starker Unterdruck im Vergleich zur Unterseite (Siehe Auftrieb und Wirbeldichte, S. 17, und vereinfachtes Modell). Die Partikel auf der linken Seite (im rechten Bild der voranstehenden Bildfolge) strömen längs der Seitenkante auf die Oberseite, werden aber zugleich von den nachfolgenden Partikeln stromab gedrängt (dem Betrachter entgegen). Dadurch beginnt der Vorgang des Einrollens der Partikel und die nachfolgende Bildung eines "Wirbelzopfs" (Siehe Auftrieb und Wirbeldichte, S. 9). Auch auf der rechten Seite strömen die Partikel auf die Oberseite. Insgesamt rollt sich die Strömung zur Oberseite nach innen ein (linkes Bild der Bildfolge).Umschlag des Wirbelsystems - 1.2 MByte
Kinematik der Tragfläche- 0.9 MByte
Im Abtriebsfall kehren sich die Verhältnisse um. Nun strömen die Partikel längs der Seitenkanten auf die Unterseite. Die Orientierung der beiden Wirbelzöpfe kehrt sich um. Im Vergleich zum Auftriebsfall drehen die Wirbel nach außen. Aber das "nach außen" ist nur eine relative Beschreibung mit dem Auftrieb als dem Normalfall. Denn stets drängen die Partikel nach innen zum Gebiet des geringsten Drucks in der Mitte der Tragfläche: bei Auftrieb zur Oberseite, bei Abtrieb zur Unterseite.
Die beiden nachfolgenden Bilder zeigen den linken und den rechten Wirbel aus zwei ganz unterschiedlichen Experimenten. Die rechte Aufnahme aus dem Archiv der NASA zeigt den Blick von hinten auf die rechte Seite des Systems der beiden Tragflügel. Der Wirbel dreht nach innen zur Mitte hin. Das linke Bild zeigt den linken Wirbel hinter einer Tragfläche, die im Rundlauf ANIPROP RL3 bewegt wird. In beiden Fällen schaut man von hinten auf den Tragflügel. In gleicher Weise dreht sich das Wirbelpaar im voranstehenden linken Bild mit Auftrieb.
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| Geschwindigkeitsfeld hinter der linken Tragfläche des Rundlaufs RL3, Auswertung der Partikelstreuung (PIV) | Rechter Randwirbel hinter
einem Flugzeug Sichtbarmachung mit Rauch |
Es sei angemerkt, dass in der didaktischen Literatur immer nur der Auftrieb behandelt wird. Vom physikalischen Standpunkt aus sind aber beide Effekte, Auftrieb wie Abtrieb, von gleicher Bedeutung. Ohne Abtrieb der Höhenleitwerke könnte ein Flugzeug gar nicht im Gleichgewicht gehalten (getrimmt) werden. Ohne Abtrieb würde aber auch unser Hubflügelgenerator nicht funktionieren!
Einige Bilder vom
kleinen
Windkanal ANIPROP KWK1
Die Bilder geben einen Eindruck vom
mechanischen
Aufbau. Die einfache Digitalkamera für die Bilder hat einige
Verzerrungen.
Der Kanal ist nicht so verzogen, wie er auf den Bildern erscheint!
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| 6 Computerlüfter - Außenansicht | Lüfter | Seitenansicht |
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| Gleichrichter grob*) | Messbühne von der Seite | Messbühne aus Anströmrichtung |
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| Kanalwände - Konstruktionsprogramm | Hauptlinien - Konstruktionsprogramm | Stromlinien - Grobe Näherung, Kontraktionsverhältnis=4 |
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*) Der grobe Gleichrichter wird nicht
mehr
verwendet, da der feine Gleichrichter aus Strohhalmen eine
genügende
Strömungsqualität liefert (s.u.).
Die drei Konstruktionsbilder mit ANSYS
sind höher aufgelöst als hier zu sehen ist. Das Betrachten
einer
Kopie zeigt die Details.
Hinweise zum Nachbau
-
Bau
des Gleichrichters.
Wir verwenden jetzt Strohhalme für den
Gleichrichter,
die - abgeschnitten - 4 cm lang sind. Dabei ergibt sich auch ohne den
groben
Gleichrichter ein Turbulenzgrad von unter 1 % in der Mitte der
Messbühne
(diese Größe kann man ohne spezielle Ausstattung nicht in
der
Schule bestimmen!). Die Strohhalme werden Lage für Lage mit
Sprühkleber
in einer Halteform aufeinander gelegt, so dass sie eine etwa 4 cm dicke
und 24 cm breite Schicht ergeben (siehe voranstehende Bilder). 24 cm
beträgt
die Kanalhöhe am Eintritt . Es ist zweckmäßig, die
Strohhalme
in normales Papier einzubetten. Dann halten sie besser zusammen. Dieser
Klotz von Strohhalmen wird anschließend mit einer feinen
Säge
in ebenfalls 4 cm lange Teile zersägt. Diese Blöcke werden
sodann
nebeneinander gelegt und mit Fliegengitter aus Kunststoff (in vielen
Baumärkten)
auf der stromab liegenden Seite eingehüllt. Die Breite von 4 cm x
9 = 36 cm ergibt sich aus den 9 nebeneinander liegenden Blöcken
aus
Strohhalmen entsprechend der Kanalbreite von 36 cm am Eintritt.
Eingepasst
wird der Gleichrichter an der Stelle, an der der Kanal beginnt sich zu
verjüngen. Deshalb können auch kleine Schwankungen in
den
Abmessungen des Gleichrichters ausgeglichen werden. Das nebenstehende
Bild
zeigt W. Send (Bild entstanden 2004) mit dem fertigen Gleichrichter und
einem einzelnen geschnittenen Segment von 4 cm Tiefe.
- Hauptabmessungen. Der Querschnitt des austretenden Strahls ist 0.18 m Breite x 0.12 m Höhe. Die Eintrittsfläche der Luft besteht aus 6 Computerlüftern von je 12 x 12 cm² Grundfläche, also 0.36 m Breite x 0.24 m Höhe. Die Kanaltiefe vom Eintritt zum Austritt ist 0.5 m (ohne 2 cm Antriebsebene aus den Computerlüftern).
- Rahmen für den Kanal Es werden normale Aluminiumleisten aus dem Baumarkt verwendet (1 m lang). Am Antrieb sind die Leisten 2 cm, am Strahlaustritt sind sie nur 1.5 cm breit. Die Dicke beträgt 1.5 mm. Als Kanalwand haben wir 1 mm PVC Platte genommen.
- Geometrie der Kanalwände. Für den Bau der Wände muss man die Lage der Schnittlinien im Raum kennen. Die Schnittlinie, die von L9-L25-L21 gebildet wird, heisst Linie_a, die aus L10-L26-L22 gebildete Linie ist Linie_b, L11-L27-L23 die Linie_c und L12-L28-L24 die Linie_d. Mit diesen Linien kann man sich die Wandplatten zuschneiden. Die Daten sind aus der jeweiligen Verknüpfung abzuholen. Die Wände sind plane Flächen, die sich beim Befestigen an den Aluminiumrahmen am Eintritt und Austritt von allein zusammenziehen und in Stromrichtung verwölben.
- Messbühne und Messungen. Die Gestaltung der Messbühne kann mit handelsüblichem Stativmaterial erfolgen. Für die Geschwindigkeitsmessung dient ein Schalenanemometer. Die Kräfte werden mit einer Microwaage gemessen, die 0.1 g Auflösung haben muss.
Stand der Bearbeitung: 7. Oktober 2007
















